Vielleicht werden Sie mal Bürgermeister

Zwei junge Männer engagieren sich in der Wiesbadener Lokalpolitik – weil sie etwas verändern wollen. TV Darmstadt-Kolumnist Hendrik Heim hat sie getroffen und ihrer Motivation auf den Zahn gefühlt.

Hoffnung Drei Tage früher im Postfach


Hendrik Heim sucht jede Woche nach den Hoffnungsträgern unserer Gesellschaft. Wer braucht oder hat Hoffnung? Welche Gedanken fördern Zuversicht? In seinem Newsletter „Die kleine Hoffnungsmail“ schreibt er seine Erkenntnisse auf – und veröffentlicht sie jeden Sonntag. Jetzt als Newsletter abonnieren und schon drei Tage vor Erscheinen bei TV Darmstadt lesen!

Hendrik und Mihal verzweifeln nicht an dieser Welt. Im Gegenteil: sie engagieren sich, um ihre eigene Zukunft mitzugestalten. Und das mit einer Geduld, einer Ausdauer, und einer Zuversicht, die mich tief beeindruckt hat. Diese Ausgabe der kleinen Hoffnungsmail ist ihnen gewidmet.


Hendrik ist 20. Seit vier Jahren engagiert er sich im Wiesbadener Jugendparlament. Davor war er schon bei Fridays for Future aktiv. Der 18-jährige Mihal, oben rechts im Bild, sitzt im Stadtschülerrat und muss gleich noch in den Politikunterricht. Wir drei treffen uns an diesem Freitagmittag vor dem Wiesbadener Rathaus, um über ihre Zuversicht zu sprechen. Noch kennen wir uns nicht. Trotzdem haben wir etwas gemeinsam. Alle drei sind wir jung, und alle drei haben wir schon mal große Teile unserer Freizeit darin investiert, um uns politisch zu engagieren.

Mihal macht das immer noch. Als Berufsschulsprecher setzt er sich für die Interessen seiner Mitschüler*innen ein, im höchsten Gremium der städtischen Schülervertretung. Während wir die Treppenstufen zum Rathaus erklimmen und für Fotos in den Plenarsaal schlendern, frage ich die beiden, warum sie sich engagieren.


„Bei mir fing alles mit einem Film an“, erzählt mir Hendrik. „Wir haben mit der Schule ein Theaterprojekt in einem lokalen Kino umgesetzt. Und danach lief ‚Youth Unstoppable‘. Darin geht es um die kanadische Klimaaktivistin Slater Jewell-Kemker. Seit sie 15 ist hat sie Menschen interviewt, die sich fürs Klima einsetzen und war damals schon auf der UN-Klimakonferenz. Der Film endet 2019, mit einer großen Demo von Fridays for Future. Diese Endszene war einfach ein Bild der Zuversicht, ein Hoffnungsschimmer, was man gemeinsam alles erreichen kann. Zu Hause habe ich direkt meine lokale FFF-Gruppe angeschrieben, und gefragt, ob ich mitmachen kann.“

Für Hendrik ist Engagement die Erfahrung, dass man gemeinsam Großes schaffen kann. Auch wenn man dafür Geduld und Ausdauer braucht. Ein Dauerthema für die Wiesbadener Jugend sind Menstruationsartikel. Die soll es schon seit Langem auf allen Schultoiletten geben. Doch durch Vandalismus haben sie einige Schulen wieder abgeschafft. Jetzt ist es an Schülervertreter*innen wie Mihal, sich erneut dafür einzusetzen. Ich frage mich: zermürbt das nicht? „Es ist ein unglaubliches Gefühl, wenn man etwas erreicht hat“, findet Mihal. So besuchen mittlerweile regelmäßig Stadtverordnete die Sitzungen des Jugendparlaments. Auch einen Grundschülerrat gibt es inzwischen. Mihal: „Man kann gar nichts anderes tun, als Dinge immer wieder zu versuchen. Wir können nicht sagen, es hat einmal nicht funktioniert, also lassen wir es.“

Engagement verbindet, bringt neue Freund*innen, mit denen man etwas teilt – den inneren Drang, etwas zu verändern. Am Ende bekomme man viel zurück. „Anfang Januar habe ich mit einem Freund ein Reel auf einem Parkhausdach gedreht, mit politischen Neujahrswünschen an die Politik. Darauf haben Mitschüler*innen kommentiert, ich werde mal Bürgermeister. Sechs Wochen später wurde ich ins Jugendparlament gewählt“, sagt Mihal. Trotzdem finden beide einen Ausgleich zum politischen Engagement wichtig. „Zuversicht zu haben, heißt nicht, auszubrennen“, erklärt mir Hendrik. Er ist auch als Musiker aktiv.


Wir brauchen Menschen wie Hendrik und Mihal. Dringend sogar. Junge Menschen, die sich ihren Optimismus erarbeiten, die Kraft aus dem gemeinsamen Engagement ziehen, die sich nicht in Kommentarspalten verlieren, sondern rausgehen und etwas tun. Man kann ihnen nicht oft genug dafür danken. Und doch sind da die Hürden. Immer wieder schaffen es Verwaltungen, sinnvolle und konstruktive Beschlüsse aufzuschieben. So lange, bis diejenigen, die sie eingebracht haben, gar nicht mehr in der Stadt wohnen.

An diesem Kommunalwahltag habe ich zwei Wünsche:
1. Lasst uns heute diejenigen wählen, die fragen, wie es besser geht, als nur zu brüllen, was früher besser war.

2. Lasst uns, wenn wir das nächste Mal über “die Jugend” sprechen, zunächst an Mihal und Hendrik denken. Und erst danach an den Frust und das Unverständnis, das man mit uns jungen Querköpfen manchmal erleiden muss. Glauben wir an diejenigen, die diese Welt in 50 Jahren noch gestalten! Fragen wir, was sie brauchen, reichen wir ihnen die Hand!


Good News der Woche #03

In einem leerstehenden Hotel in Düsseldorf wagt Gründerin Karin Jungjohann ein Experiment: Geflüchtete erhalten günstigen Wohnraum. Dafür müssen sie Deutsch lernen, helfen, das Hotel wieder instandzusetzen, und einen Job in der Düsseldorfer Gastronomie annehmen, weil dort „ständig Personal fehlt“. Ein wahres Hotel Hoffnung – ein Raum für neue Ideen!

Hier geht’s zum Film des WDR über Karin Jungjohann.


Die nächste “kleine Hoffnungsmail” bekommt ihr wie gewohnt am kommenden Sonntag ab 8 Uhr. Bis dahin schonmal einen wundervollen (inoffiziellen) Frühlingsanfang. Hier könnt ihr den Newsletter weiterempfehlen.

Immer weiter gehen.

Euer Hendrik

Hoffnung Drei Tage früher im Postfach


Hendrik Heim sucht jede Woche nach den Hoffnungsträgern unserer Gesellschaft. Wer braucht oder hat Hoffnung? Welche Gedanken fördern Zuversicht? In seinem Newsletter „Die kleine Hoffnungsmail“ schreibt er seine Erkenntnisse auf – und veröffentlicht sie jeden Sonntag. Jetzt als Newsletter abonnieren und schon drei Tage vor Erscheinen bei TV Darmstadt lesen!

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